31.1.2001 Frankfurter Neue Presse

Der Augustin fühlt Luft von einem anderen Planeten

von Matthias Gerhart/i>

Das Artis-Quartett Wien gastierte mit dem Pianisten Stefan Vladar beim Lunchkonzert im Hessischen Rundfunk.

Die rumänische Sopranistin Ildiko Raimondi war mit von der Partie. In Schönbergs zweitem Streichquartett gestaltete sie mit zarter, aber doch nachhaltiger Stimme die Verse Stefan Georges, die diesem auf dem Weg in die Atonalität befindlichen Werk von 1908 die eigenwillige Note geben. Das Gedicht "ich fühle Luft von anderem Planeten" hatte dem Konzert auch sein Motto gegeben. Das Artis-Quartett arbeitete aber nicht nur markanten Sarkasmus - etwa das Zitat von "Ach, du lieber Augustin" brillant heraus. Man ließ den Zuhörer die Entrückung des Komponisten in andere musikalische Sphären spüren, demonstrierte die tonale Auflockerung schlüssig. Der Pianist Stefan Vladar hatte die Matinee furios eröffnet. Brahms sieben Fantasien op. 116 offenbarten echte Musizierleidenschaft. Nicht nur die drei temperamentvoll gespielten Capriccios verrieten in Vladar einen stilsicheren Virtuosen.

Auch im zweiten Teil standen sich die "Neuerer' ihrer Zeit, Brahms und Schönberg, gegenüber. Den kurzen Klavierstücken op. 19, dessen Intimität Vladar trotz penetranter Nebengeräusche im Saal eindrucksvoll bewahren konnte, folgte unmittelbar das ausladende Klavierquintett von Brahms, zu dem sich die Musiker nun vereinten. Das Quintett spielte mit viel Elan, ganz so, wie Brahms am Schönsten zu hören ist. Am eindrucksvollsten wurde die urwüchsige Melodik im Scherzo, das besonders vom satten und kräftigen Cello, aber auch von der präzisen Linienführung der Geigen lebte..

Zurück